Kommentar zum Spiel des Jahres 2010

Bevor ich mich hier richtig in Rage schreibe, zuerst einmal meinen Glückwunsch an die Autoren und Grafiker des Spiels »Die Tore der Welt«, welches den Sonderpreis »Spiel des Jahres Plus 2010« erhalten hat. Auch wenn ich das „Plus“ namentlich nicht toll finde, so freut mich die Auszeichnung eines solchen Vielspielerspiels sehr.

Mein Glückwunsch gilt natürlich auch Autor und Grafiker des Spiels »Dixit«, welchem gerade der Preis »Spiel des Jahres 2010« verliehen wurde. Als Spieleautor gönne ich diesen Preis wirklich jedem Autor, denn ich weiß, wie viel Arbeit und Liebe in der Entwicklung jedes Spiels steckt, und auch dem Kleinstverlag Libellud, der dadurch bestimmt eine deutliche Umsatzsteigerung erzielen wird.

Wem ich allerdings beim besten Willen nicht gratulieren kann, ist die Jury!

So schön gestaltet »Dixit« auch sein mag, als Spiel kann es mir einfach nicht gefallen. Zum einen ist es nicht die Art von Spiel, die ich als spielenswert erachte. Das ist aber nur eine persönliche Meinung.

Zum anderen aber bin ich überzeugt, dass dieses Spiel dem Ziel der Auszeichnung »Spiel des Jahres« nicht gerecht wird. Eigentlich sollen doch Spiele prämiert werden, die die breite Masse zum Spielen bringen und dazu anregen, auch weiterhin und mehr Gesellschaftsspiele zu spielen.

Aus meiner Sicht ist »Dixit« ein Spiel ohne hohem Wiederspielreiz. In allen Runden, die ich damit erlebt habe, war die Lust daran nach zwei bis drei Spielen versiegt. Und in diesen Runden waren nicht nur Vielspieler vertreten!

Mit diesem Spiel werden wahrscheinlich mehr Menschen vom Spielen abgebracht, als dazugewonnen. Denn wenn sie glauben müssen, dass das schon das „beste“ Spiel des ganzen Jahrgangs ist, ist der Frust vorprogrammiert.

Wie viel lieber hätte ich »Fresko« oder »Im Wandel der Zeiten - das Würfelspiel« als Sieger gesehen. Zwei Spiele, die immer noch recht leicht zu erklären sind, und auch nach zehn oder zwanzig Spielen noch nicht ausgereizt und weiterhin spannend sind.

Oder das sehr schön aufbereitete »A la Carte«, welches zwar nicht mehr ganz neu ist, aber immerhin hervorragend neu ausgestattet präsentiert wird.

Andere wirklich innovative Spiele wie »Hansa Teutonica«, »Tobago« oder »Jaipur« haben es noch nicht einmal auf die Nominierungsliste geschafft.

Laut Imagetext auf der Website der Jury »Spiel des Jahres« soll diese Auszeichung „möglichst viele Menschen vom Wert des Kultur- und Freizeitmediums Spiel überzeugen“.

Na, wenn das man dieses Jahr nicht nach hinten losgegangen ist…

Stefan Malz, 30. Juni 2010
Meine Sieger: